Montag, 9. Januar 2017
Am Anfang
Meine Eltern haben sich früh kennengelernt. Ich glaube, meine Mutter war 16, mein Vater 17. Er wohnte im Lehrlingswohnheim in der Kleinstadt, in der meine Mutter lebte. Mein Vater ist im Kinderheim aufgewachsen. Ich weiß nicht genau, ab welchem Alter. Zumindest hatte er bereits 3 Geschwister, als seine Mutter beschloss, in den Westen abzubauen kurz vor dem Mauerbau. Sie hat also ihre 4 Kinder zurück gelassen und ist gegangen. Wo der Vater war, ob er mitgegangen ist, ob es überhaupt einen gab, das weiß ich nicht. Alle Kinder kamen ins Heim. "An mir ist mancher Stuhl zerbrochen" sagte mein Vater mal und man mag sich gar nicht ausmalen, was er dann in den frühen 60ern erlebt hat. Als er dann meine Mutter kennenlernte, würde er jedoch von ihren Eltern schnell "adoptiert". Meine Oma und mein Opa hatten eine kleine 3 Zimmer Wohnung und selbst als ich geboren wurde, lebten sie noch alle dort zusammen. Eine Wohnung gab es nicht so einfach.
Nach der Mutter meines Vaters, meiner Oma ja letztlich, habe ich nie gefragt. Das es aber Kontakt gab, habe ich später erfahren, als ich ihr mal unvermittelt gegenüber stand. Das war so 1987 vielleicht.

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Samstag, 7. Januar 2017
Gedanken
"Andere Frauen in meinem Alter haben 2 Ehemänner... ich habe 2 Exväter" sage ich manchmal und lache. Aber witzig finde ich das in keinster Weise. Warum tu ich es denn dann? Keine Idee!
Den letzten Kontakt mit meinem leiblichen Vater hatte ich im Frühsommer. Ein gutes Jahr nachdem er mich an meinem Geburtstag am Telefon dazu gebracht hat, zu weinen. Mein Sohn hatte sein Abitur geschafft und ich wollte, dass der Opa das weiß. Also hab ich zwei Bilder per WhatsApp geschickt. Eins von 2004 von der Einschulung und ein ganz frisches von der Abifeier. Kein Text, ich wusste nicht was. Wollte nicht zynisch sein oder ironisch... mein Wunsch war eher, eine Brücke zu schaffen, auf der wir uns nochmal annähern können. Erst sah es auch gut aus. Ich bekam eine Antwort, er dankte für die schönen Bilder. Ich schrieb zurück... etwas Belangloses ganz nach dem Motto "wie schnell die Zeit vergeht" und schickte noch 2 aktuelle Fotos von seinem Enkel mit. Wieder kam Antwort. Welch ein stattlicher junger Mann er geworden wäre und die Frage, ob sich Henry immer noch so für Computer interessieren würde. Ich habe geantwortet, dass er gerade dabei ist, eine Ausbildung /ein Studium zu finden in dieser Richtung und dass er bisher leider kein Glück hatte.
Darauf kam nichts mehr. An dem Tag nicht, nicht am nächsten, Wochen später nicht.
Wann gibt man eigentlich auf? Wann begreift man, dass es besser wäre zu akzeptieren, dass weder ich noch mein Kind wichtig genug sind, um sein Interesse länger als eine Laune zu wecken. Wahrscheinlich nie!

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Donnerstag, 5. Januar 2017
Irgendwann Anfang der 80er.... ich bin zu Besuch bei meinem Vater, seiner Frau und meiner nur knapp 3 Jahre jüngeren Halbschwester. Wir spielen im Kinderzimmer und fangen an zu streiten. Alina sagt aus heiterem Himmel: Das ist aber mein Papa! Ich antworte: Aber meiner auch. Es geht ein paar mal hin und her... Nein! Doch! Nein, ist er nicht! Doch, ist er.
Warum ist sie so gemein? Ich gebe auf. "Kann auch deiner bleiben" sage ich unter Tränen und gehe. Ziehe meine Schuhe an und verlasse die Wohnung im 2.Stock.
Ich verlasse aber das Haus nicht, sondern laufe in den Keller. Schließlich wird mein Vater gleich kommen und nach mir suchen. Weinend hocke ich im Keller. Da höre ich oben die Wohnungstür aufgehen. "Jasmin?" ruft meine Vater von oben. Ich warte auf seine Schritte. Aber stattdessen geht einfach die Wohnungstür wieder zu. Keiner sucht mich. Keiner scheint aus dem Fenster zu gucken, um zu sehen, ob ich dort gehe.
Ich bleibe im Keller. Keine Ahnung wie lange. Irgendwann gehe ich nach Hause....

Dieses Mädchen im Keller, das steckt noch tief in mir. Es ist die erste starke Erinnerung an mich und meine verkorkste Familiengeschichte, die ich hier mal "zu Papier" bringen möchte

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